Beeinflussung von Laborparametern durch präanalytische Faktoren

  1. Patientenbezogene Einflussgrößen
  2. Einflüsse bei der Probenahme

1. Patientenbezogene Einflussgrößen

Lebensalter Der Veränderung der Messwerte mit dem Lebensalter wird durch die Verwendung alterspezifischer Referenzbereiche für die jeweiligen Meßgrößen im alphabetischen Leistungsverzeichnis entsprochen.
Geschlecht Die Geschlechtsabhängigkeit spiegelt sich in den Referenzbereichen der jeweiligen Messgrößen wider.
Gravidität Ab der 10. SSW Verminderung von Ca, Mg, Fe, Zn, fT3 u. fT4; Anstieg von TSH, CRP, Cholesterol u. Triglyceriden, BSR.
Die veränderten Konzentrationen der Fertilitätshormone sind bei den Referenzbereichen der einzelnen Meßgrößen berücksichtigt.
Nahrungsaufnahme Für die praktische Diagnostik ist ein leichtes, fettarmes Frühstück ohne signifikante Auswirkung auf die Konzentration vieler Blutbestandteile wichtig.
  • Ausnahme: Lipidparameter, Glucose

  • nach eiweißreicher Kost: Anstieg von protein, Albumin, ASAT, ALAT, Ammoniak, Harnsäure, Harnstoff

  • nach fettreicher Kost: Anstieg von Triglyceriden, freien Fettsäuren, AP, LDH, Störung photometrischer Meßverfahren durch postprandiale Lipämie

Rauchen Akut:
Anstieg der Serumkonzentrationen von Adrenalin, Aldosteron,Cortisol und freien Fettsäuren

Nach chronischem Nikotingenuss:
Verminderung von ACE, Prolaktin, Vitamin B6, Selen u. HDL-Cholesterol; Vermehrt CEA, CRP, Leukozyten, Kupfer, CO-Hb
Alkohol Akut:
Abfall von Glucose, Anstieg von Lactat und Harnsäure

Nach chronischem Alkoholgenuss:
Anstieg von Gamma-GT, ASAT, ALAT, Katechoalmine, Cortisol, MCV, CDT
Drogen Canabis
- Anstieg von Na, K, CL, Harnstoff
- Abfall von Creatinin, Glucose, Harnsäure

Heroin
- Anstieg von Cholesterol, K, Thyroxin
- Abfall von Albumin, pO2

Morphin
- Anstieg von Alpha-Amylase, Lipase, ASAT, ALAT, AP, TSH, Bilirubin, Prolactin
- Abfall von Insulin, Noradrenalin
Körperliche
Aktivität
Schwere körperliche Belastungen führen - abhängig vom Trainingszustand - zu Anstiegen von CK, Glucose, Creatinin, Albumin, Protein, Harnsäure, Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol, Somatotropin, Hb, Hk, Leukozyten sowie zu einer erhöhten Ausscheidung von Erythrozyten im Urin.
Psychischer Stress - Gesteigerte Hormonausschüttungen, z.B. Cortisol, TSH, Katecholamine, Prolaktin, Somatotropin, Vasopressin
- Anstieg von Glukose, Lactat, Cholesterol, Albumin, Fibrinogen
Chronobiologische
Einflüsse
Lineare Einflüsse (Lebensalter) sind in den Referenzbereichen berücksichtigt.

2. Einflüsse bei der Probenahme

Körperlage Beim Übergang von der liegenden in die sitzende oder stehende Körperlage steigen die Werte für Blutzellen, Proteine, Lipoproteine und proteingebundene niedermolekulare Verbindungen (Ca, gesamt) um 10 - 15% an, Renin, Adrenalin und Noradrenalin bis 50%.

Bei ödematosen Patienten sind diese Effekte deutlich verstärkt!
Stauung Vorschriftsmäßige Stauung (1 min.) beeinflusst Laborparameter nicht signifikant.

Längere Stauzeiten führen zum Anstieg zellulärer und proteingebundener Bestandteile sowie der Proteine selbst.
Punktion Zu enge Kanülen, zu starkes Aspirieren oder Aspiration von paravenösem Blut führt häufig zu Hämolyse.

Als Folge kann es zu erhöhten Werten von Kalium, NSE, LDH, ASAT, ALAT, CK und Saurer Phosphatase kommen. Erniedrigt werden die AP und Bilirubin gefunden.
Kontaminationen Eine der häufigsten und besonders schwerwiegenden präanalytischen Interferenzen ist die Kontamination mit Infusionslösungen, z.B. implausibel hohe Elektrolyt- und Glucosewerte, Beeinträchtigung photometrischer Messmethoden durch Trübung (Lipide, Dextran) sowie Störung von Gerinnungs- und blutgruppenserologischen Untersuchungen.
Probenmaterial Der Einsatz von Plasma anstelle Serum ist für viele Messgrößen prinzipiell möglich und führt zu vergleichbaren Ergebnissen.

Ausnahmen:
Fibrinogenpeak in der Proteinelektrophorese, Inhibition der AP, LAP und sauren Phosphatase, Störung Heterogener Immunoassays durch Fibrinogen, Verminderung von K, LDH, Phosphat